Die eigene Meinung

tafel

Als er aufstand, waren alle still. Er ging vor und spürte die garstigen Blicke in seinem Rücken, sah, wie sie versteckt lachten und er begann zu zittern. Schweiß breitete sich auf seinen Handflächen aus. Die Knie wollten in sich zusammensinken. Aber aufgeben konnte er nicht. Er erreichte die Tafel und wusste, dass sie sehen wollten, wie er versagt. Nun war er auf sich allein gestellt… Die Lehrerin mustere ihn nur mit genervtem, kalten Blick.

Er schaute an der Tafel hoch. Wie war noch mal die Aufgabe?

„Keine Ahnung“ wie immer, aber irgendwas war anders.

Es wollte etwas aus ihm raus, das spürte er. Etwas, was schon Jahre lang in ihm drin war und nun endlich herauskam.

Fast sprunghaft drehte er sich um.

„Lacht nicht, ich versuche mein Bestes zu geben!“

Erschrocken und verwundert sahen sie ihn an. Die Lehrerin ließ ihre Augen kreisen. Erst jetzt merkte sie, was los war. Er fühlte sich auf einmal stark. All die Jahre hatte man ihn unterdrückt. Doch nun war die Zeit gekommen, wo alles ein Ende haben sollte.

Endlich konnte er sich überwinden, seine eigene Meinung zu sagen…

Er drehte sich zurück zur Tafel,
versagte
und hämisches Gelächter brach in der Klasse aus.

Lukas Bellmann, © 2007

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