2009-11-03 7:13 pm | friedemann
Zwischenbericht aus Terezín
Auch wenn eigentlich gesagt wurde, dass ich zwei Wochen Einarbeitungszeit am Anfang meines Dienstes bekomme, sah die Realität letztenendes doch anders aus: ich kam am Mittwoch an, war am Donnerstag den ersten Tag im Büro, am Wochenende in Prag und am Montag gings los. Die ersten beiden Wochen waren nicht "Einarbeitungszeit", sie waren richtig hart, da wir fast immer zwei Gruppen gleichzeitig hatten, d.h. ich schon gleich Führungen machen musste.
Aber wenn ich ehrlich bin: Es war etwas stressig, doch die Arbeit wurde mir nie zu viel. Wenn man ins kalte Wasser geworfen wird, ist der Lerneffekt definitiv am größten.
An dieser Stelle müssen allerdings sind die Gründe, warum alles letztenendes doch so gut klappte, klar gesagt werden - das waren: die sehr gute Vorbereitung durch meinen Vorgänger Lukas während meines zwei wöchigen Praktikums in Terezín, die tolle Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Sascha und - und das ist wirklich umwerfend - der "heiße Draht" zur tschechischen Abteilung, namentlich seinen hier Petra und Jana erwähnt, die uns aus den noch so aussichtlosen, organisatorischen Alpträumen befreiten, indem sie "Anrufe erledigten" und auf einmal war alles geklärt, was eine Minute vorher unerreichbar schien - wie in einem schlechten Agentenfilm... Frauenpower pur.
Jana und Petra waren es auch, die mir kurz vor meiner ersten Gruppe noch eine ausführliche Führung durchs Ghetto und die Ausstellungen (auf Deutsch!) gaben, damit ich ihre Version kenne - es war gleichzeitig ein Crashkurs, mit dem ich dann wirklich meine erste Führung hinbekommen habe (bei dieser kam Petra mit und gab mir hinterher Feedback).
Das scheint sehr neu zu sein, denn erst seit dem Beginn meines Freiwilligendienstes ist die Abnahme einer Führung offiziell im "Arbeitsvertrag" verankert... ohne diese optimale Unterstützung (besonders die "Macht"-Strukturen der Gedenkstätte sind für Neuankömmlinge ohne solide Tschechischkenntnisse - es ist ein Glücksumstand, dass mein Kollege Deutsch und Tschechisch als Muttersprache spricht - anfangs schwer zu durchschauen) wäre ich definitiv nicht über die ersten 4 Wochen gekommen. - Doch so war es eine sehr anstrengende, aber letztenendes wunderbare Zeit.
Wir hatten tolle Gruppen, sehr tolle sogar. Besonders die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau und eine Gruppe von Mediengetaltern aus Berlin waren umwerfend - die waren so gut, dass sie letztenendes bei uns in der Wohnung gelandet sind und wir sämliche Alkoholgeschenke von circa fünf Jahren Gruppen in Terezín, die sich bei uns auf den Küchenregalen gestapelt hatten, an einem Abend geleert haben... so macht Arbeit wirklich Spaß! :D
(An dieser Stelle ein Hinweis für alle Leser unter 18 Jahren: Alkohol schadet der Gesundheit. Trinkt verantwortungsvoll. - Auch in Tschechien gilt das Jugendschutzgesetz... ;))
Und... (fast) jeden Montag spielen wir mit den Mitarbeitern der Gedenksätte Volleyball, dazu reichen meine Tschechischkenntnisse schon gut aus (hezkýýý...!), es ist sehr lustig und natürlich macht das alles einfacher. Viele gedenkstätteninterne Informationen bekommt man schnell auf diese Weise mit, und auch ein neuer Monitor, ein neuer DVD-Brenner, Microsoft Office und 2 neue Netzwerkkabel sind auf diese Weise für uns und unser Büro "herausgesprungen". (Unglaublich!)
In einem Land, indem die persönlichen Kontakte um einiges wichtiger sind als in Deutschland (und eigentlich alles über diese Kontakte läuft), ist diese Möglichkeit perfekt (und für den Anfang kann mir Sascha auch übersetzen, wenn ich mit meinem Tschechisch am Ende bin) - ich fühle mich schon integriert, auch, wenn Tschechisch natürlich immernoch schwer für mich ist, ist es doch kein Mythos mehr und ich gewöhne mich mehr und mehr daran (es ist eigentlich eine wirklich tolle Sprache, weniger allerdings die Aussprache, da muss man wirklich trainiert sein).
Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass ich kein Alkoholiker geworden bin, auch wenn das Bier sehr billig ist und dass ich leider noch nicht wirklich Tschechisch sprechen kann, auch weil mein Kurs, für den ich mich eingeschrieben habe, leider nicht zu stande gekommen ist, weil zu wenig Leute Interesse zeigten. Schade. Aber ich werde nicht aufgeben. Unser lieber Karel (Mitarbeiter der Gedenkstätte) hat gesagt, dass er mir Privatunterricht gibt. Morgen oder übermorgen geht's los - mal schauen! Ich bin gespannt und freu mich drauf...
Noch ein abschließendes Photo für diesen Post:
Diese kleinen, süßen Viecher sind 2002 mit dem Jahrhunderthochwasser aus dem Prager Zoo nach Theresienstadt gekommen und leben seitdem in den Festungsgräben der großen Festung (ehemaliges Ghetto und Konzentrationslager von 1941 bis 1945).
123 Photos aus Theresienstadt gibt es auf:














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